Schreiben über die Krise im luxuriösen Büro

Wisst Ihr noch, damals…? – Ansichten zur aktuellen Krise

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Es vergeht glaube ich kein Tag, an dem ich nicht mit meiner Frau über die Corona-Krise, aktuelle Entwicklungen und die Folgen spreche. Es vergeht auch kein Tag, an dem ich nicht auf den Aktienmarkt schaue und mir wünschte, die Zeit würde stehen bleiben, damit ich all die ganzen Unternehmen finden kann, bei denen sich jetzt ein Kauf so richtig lohnt… Ich mache all das übrigens in einer beheizbaren 4-Raum-Wohnung mit zwei Toiletten, einem vollen Kühlschrank, 3 Tablets, einem Gartenzugang und logischerweise einem Gasgrill hinter diesem Gartenzugang.

Ich schaue mir die Aktienmärkte an in dem Bewusstsein, dass 67% des Gehaltes meiner Frau durch den Staat übernommen werden und der Rest durch den Arbeitgeber, obwohl sie im Moment nicht arbeiten kann.
Während ich mir Preisentwicklungen ansehe, ist mir auch klar, dass mein gesamter Umsatz in meiner Selbstständigkeit in diesem und den nächsten 2 Monaten weg ist und der Staat mir unter die Arme gegriffen hat, um mich wirtschaftlich am Leben zu erhalten.

Krise missverstanden

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich den Begriff Krise nicht richtig verstanden habe…?!

Wenn meine Oma von Krisen erzählte, dann fielen immer Worte wie Hunger, keine Kleidung, alles teilen, Bomben, Kriegsgefangenschaft. „Wir mussten erfinderisch sein, denn wir hatten nichts.“, ist irgendwie der O-Ton dieser Generation.

Screenshot bild.de
Screenshot bild.de

Die meisten Meinungen, die ich (hauptsächlich digital) wahrnehmen kann, gehen in die Richtung Scherz (es gibt schon geniale Videos über WhatsApp) oder Kritik am Vorgehen unserer Volksvertreter. Nebenan mal ein Screenshot der bild.de-Webseite. (In Sachen „schnell ein Beispiel für Negativpresse finden“ sind die Jungs wirklich verlässlich…)

Vor allem dieser letzte Punkt, mit den vermeintlichen Entbehrungen und dem vermeintlich „falschen“ Vorgehen der Politik, hat mich „damals“ (2009) zur Finanz-„krise“ schon gestört. Wisst Ihr noch, damals…? Als wir kein fließend Wasser hatten und die Banken starben und alles mitgerissen haben. Die Menschen über Nacht arbeitslos wurden und wir Essenmarken bekamen, damit für alle genug da war. Die Bundeswehr im Inland eingesetzt wurde, damit der Straßenkrieg eingedämmt werden konnte… Damals, als unsere Politiker nach vielen Meinungen alles falsch gemacht haben, was man nur falsch machen konnte…

Ein Loblied in der Krise

Ich möchte kein Loblied auf unsere Politik singen und ich werde meine Kreuze alle 4 Jahre auch nicht spontan woanders setzen. Aber zwei Sachen finde ich aktuell absolut bemerkenswert. 

1. Die Schnelligkeit der Reaktion auf die Krise

Die Schnelligkeit, mit der unsere Führungsetage reagiert hat, war absolut untypisch. Innerhalb weniger Wochen (vielleicht sogar nur Tage) wurde ein Plan umgesetzt, der für einen interessantes Bild auf der Seite der WHO sorgt. (Und Wochen sind Lichtgeschwindigkeit bei 83 Millionen Einwohnern!)

Corona-Krise in Frankreich

Nehmen wir unseren, uns durchaus ähnlichen, Nachbarn Frankreich: Diese Nation hat 15.708 bestätigte Tote zu beklagen. Bei einer Gesamtbevölkerung von rund 67 Millionen Franzosen sprechen wir hier derzeit (15.04.2020) über einen Anteil von 0,02%.

Ich möchte ein paar weitere Beispiele anführen: In Spanien und Italien liegt dieser Anteil bei 0,03% der Bevölkerung und im Vereinigten Königreich bei 0,02%. 

Corona-Krise in Deutschland

Ich bin kein Virologe und auch kein Biologe und auch niemand, der ansatzweise versteht, wie man so eine Seuche in den Griff kriegen kann und wie so ein „typischer“ Verlauf aussieht. Aber ich verstehe, dass dieser Wert bei uns 0,003% beträgt. Und ich verstehe, dass das 10x besser ist als in Spanien und Italien.

Anders ausgedrückt: Wir haben weniger Corona-Tote in unsere Nation als Belgien. Wir haben aber mehr als das 7-fache an Einwohnern. Das ist eine Leistung, die ich nicht in Worte fassen kann! Weil mir gar nicht klar ist, was man dafür leisten muss!

Und ja, ich verstehe, dass sich das alles noch ändern kann und dass man das nicht so einfach vergleichen kann und und und und… Aber, auch wenn ungenau, sagt es in meinen Augen eben doch etwas aus, wenn die nach Einwohnerzahl und Wirkungszeitraum der Pandemie halbwegs vergleichbaren Nationen, so deutlich anders betroffen sind als wir.

Nicht, dass wir „besser“ sind. Sondern, dass unsere Regierung schnell richtige Entscheidungen getroffen hat.

2. Die Prioritäten unserer Politik

Die zweite Sache, die mich überrascht hat, sind die klaren Prioritäten, die diese Regierung verfolgt. Es wurde nicht die Wirtschaft bevorzugt. Allen Meinungen, dass Politiker korrupt sind und die Konzerne sich die Gesetze kaufen, zum Trotz wurde das Leben von Wenigen als Priorität gewählt. Ich gehe davon aus, dass wir über nicht mal 10% unserer Bevölkerung sprechen, die ernsthaft als Risikogruppe (für Todesfälle) bezeichnet werden kann. 

Was soll man dazu sagen, außer: Es ist richtig!

Meine Enkel

Was werde ich meinen Enkeln sagen, sollten sie irgendwann bei wikipedia (oder wie auch immer es dann heißt) über den Artikel des Tages stolpern – Thema „Krisen seit 2000“.

„Ihr könnt es nicht wissen, aber damals hatten Eure Eltern und Eure Großeltern das ungeheure Glück (denn es ist mit Sicherheit keine Leistung), in einer der reichsten Nationen dieser Erde geboren worden zu sein. Und das auch noch in einer Zeit als es Frieden und für die meisten auf dieser Erde unermesslichen Wohlstand für uns gab. Wir hatten auch das Glück fähige und humanistisch denkende Menschen gewählt zu haben.

Ich kann mich nicht genau erinnern wie es war, aber ich erinnere mich, dass ich einen Artikel geschrieben habe, mit dem ich meine Dankbarkeit für diesen Umstand ausdrücken wollte.

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