Deutsche Bank, Commerzbank

Warum ich nicht in Banken investiere

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In den letzten Monaten wurde ich immer wieder gefragt, was ich von einem Einstieg bei der Commerzbank oder der Deutschen Bank halte. Die Diskussion einer Übernahme bzw. eines Zusammenschlusses schwebte im Raum. Die Fragen reichten von „Welche Aktie profitiert mehr davon?“ bis zu „Wo sollte ich mich bewerben, wenn die Übernahme erfolgt?“.

Commerzbank und Deutsche Bank zusammen?

Meine Antworten liefen immer auf den selben Punkt hinaus. Ich war davon überzeugt, dass ein Zusammenschluss der beiden Banken für keine Seite wirklich betriebswirtschaftlich sinnvoll ist. Warum bin ich dieser Meinung? Nun, aus marken-psychologischer Sicht, leben beide Banken vom anders sein, der anderen. Commerzbank-Kunden ticken allgemein anders und verlaufen sich nicht in die Filialen der Deutschen Bank. Obwohl eine größere und vielleicht sogar stabilere Bank entstehen würde, die es vielleicht sogar schafft, die Synergien zu erzeugen, die so oft angepriesen werden, wäre der Preis in meinen Augen die Erosion des Marktes. Ein großer Spieler lässt Platz für viele kleine Mitspieler und verliert wahrscheinlich in Summe Kunden an diese. Zwei große Spieler im Markt lassen den meisten Kunden genug Auswahl, um nicht zum kleinen Bankhaus zu gehen. Beide haben in Summe mehr Kunden.

Die nächste Überlegung geht in Richtung Profitabilität und Kultur. Ich kenne beide Banken zu einem gewissen Grad von innen und habe das Gefühl, dass sie sich in Denkweise und Herangehensweise sehr stark unterscheiden. Diesen Umstand kann man sicherlich auch zum Guten nutzen, allerdings würde das Jahre dauern und eine Menge Kosten verursachen, um eine neue gemeinsame Kultur zu schaffen. 

Die andere Möglichkeit wäre eine Übernahme. In diesem Fall überlebt wahrscheinlich nur eine Kultur und die geplante Synergie geht verloren.

Da die Übernahmegespräche nun abgebrochen wurden, ist diese Diskussion auch hinfällig. Allerdings gibt es noch schwer wiegende Gründe, warum es so oder so nicht sinnvoll gewesen wäre, sich in einem dieser beiden Unternehmen zu engagieren.

Die Management-Mentalität im Finanzsektor

Das Idealbild des hanseatischen oder Ehrbaren Kaufmanns sieht wie folgt aus: (Ich darf den ersten Absatz aus dem verlinkten Wikipedia-Artikel zitieren) 

Die Bezeichnung Ehrbarer Kaufmann beschreibt das historisch in Europa gewachsene Leitbild für verantwortliche Teilnehmer am Wirtschaftsleben. Es steht für ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein für das eigene Unternehmen, für die Gesellschaft und für die Umwelt. Ein Ehrbarer Kaufmann stützt sein Verhalten auf Tugenden, die den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg zum Ziel haben, ohne den Interessen der Gesellschaft entgegenzustehen. Er wirtschaftet nachhaltig.

Gemessen an diesem Anspruch lässt die Management-Mentalität in Banken und auch fast jedem anderen Unternehmen der Finanzwirtschaft Raum für Verbesserungspotenzial. Boni zu zahlen, wenn das Unternehmen Verluste macht, finde ich befremdlich. Sicher, es sind vertragliche Vereinbarungen einzuhalten, aber welcher klar denkende Kaufmann unterschreibt einen Vertrag, der ihn verpflichtet in so einer Situation Boni zu zahlen? Genau so wenig ist das Suchen staatlicher Hilfe (weil man sich übernommen hat) eine lobenswerte Tugend des hanseatischen Leitbilds.

Es tut mir in der Seele weh, dass ich das so schreiben muss, da ich selbst Banker war und im Herzen noch bin. Aber die Bankenbranche ist noch weit weg von der Reputation, die sie mal hatte. 

Das Geschäftsmodell der Banken

Der letzte Punkt, den ich ansprechen möchte, ist das Geschäftsmodell. In meinen Augen haben viele Unternehmen der Finanzbranche verschlafen, dass Verbraucher heute viel aufgeklärter sind und die neueren Generationen viel kritischer sind. Außerdem überlässt man das Feld der Innovationen vor allem im digitalen Bereich Start-Ups. Ich wurde schon so häufig mit durchaus brauchbaren Produkten (zum Beispiel Kombination Konto und Buchhaltung in einer App) auf Facebook und Instagram beworben. Nie war ein bekannte Marke darunter. 

Diese Entwicklung aufzuholen wird Geld kosten und Banken kurzfristig unprofitabel machen. Oder die Bankdienstleistung wird zu einer Art „Rohstoff“, wobei die Banken nur noch Produkte stellen (Baufinanzierung, Privatkredit, etc.) und die Beratungs- und Serviceleistung von woanders kommt, zum Beispiel einer App oder einem Vergleichsportal.

Zurück zum Anfang – Warum wollte die Deutsche Bank die Commerzbank kaufen?

Die große Gründe, warum Banken für mein Portfolio uninteressant sind, konnte ich hoffentlich darlegen. Eine Überlegung möchte ich noch in den Raum werfen: Die Politik hat ja bei den Übernahmegesprächen überdurchschnittlich stark mitgewirkt. Man möchte fast sagen, dass Herr Sewing und Herr Zielke gar nicht allein auf die Idee gekommen wären. Die Frage die sich mir stellt ist „Warum?“…

Was meine möglichen Antworten beeinflusst, ist das Wissen, dass sich der Staat 2009 für 6,- pro Aktie zur Rettung der Commerzbank in das Unternehmen eingekauft hat. In den letzten 2 Monaten lag der Kurs ungefähr zwischen 7,- und 8,- Euro. Dazu kommt noch, dass ein Verkauf über die Börse in der Größenordnung für den Ausstieg des Staates für sinkende Preise sorgen würde. Wie elegant wäre da ein einzelner Käufer, der vielleicht 20% über dem Marktpreis bezahlt…?!

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