Svenska Handelsbanken

Svenska Handelsbanken – gut für solide 10% p.a.

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Noch vor wenigen Wochen habe ich großspurig behauptet, dass ich nicht in Banken investiere. Kurz darauf änderte ich meine Meinung, da ich mit meinen Suchparametern auf die Svenska Handelsbanken gestoßen bin.

Hier zeigte sich mir ein Kreditinstitut, dass erkannt hat, worum es dem Kunden geht und sich sehr diszipliniert danach ausrichtet.

Schritt 1: Analyse des Geschäftsmodells der Handelsbanken

Banking als Dienstleistung und Rohstoff

Es gab einmal eine Zeit, da hatten Banker in der Bevölkerung einen ähnlichen Status wie Anwälte oder Steuerberater. Das Bild änderte sich zunehmend ab Beginn der 90er Jahre, durch die zunehmende Digitalisierung und damit einhergehende Standardisierung. Ein vorläufiger Höhepunkt dieser Entwicklung war sicherlich die Finanzkrise in 2009.

Bankgeschäfte sind mit der Zeit zu einer Art Rohstoff geworden. Damit meine ich,, dass die Überweisung bei der einen Bank genauso schnell geht, wie bei der anderen Bank. Oder dass ein Kredit durch Online-Vergleiche mehrheitlich an der Kondition gemessen wird und kaum noch an der Beratungsqualität. Es gibt wenige Möglichkeiten für Banken, sich voneinander abzuheben. Hinzu kommt der zunehmende Wettbewerb durch Zahlungsdienstleister wie Paypal und Kreditvergabe durch Crowdfunding-Plattformen.

Wer glaubt, dass das Bankwesen tot ist bzw. Im Sterben liegt, irrt sich meiner Meinung nach. Die Medienberichte zielen ganz stark in Richtung FinTech, erwähnen im Regelfall aber nicht, dass zu diesen Zahlungsformen üblicherweise natürlich auch ein Bankkonto notwendig ist.

An Banken kommt man (noch) nicht vorbei und gewisse Funktionen können fast nur durch Banken wahrgenommen werden, z.B. der dokumentäre Auslandszahlungsverkehr (Kopplung einer Zahlung an die Auslieferung von Handelsdokumenten) der im Export und Import von überragender Bedeutung ist. Auch die Kreditvergabe im mehrstelligen Millionenbereich ist derzeit doch eher selten auf Crowdfunding-Seiten zu finden.

Aber schauen wir uns die Svenska Handelsbanken im Detail an. Es gibt ähnlich den klassischen gewerblichen Funktionsbereichen – Einkauf, Produktion, Vertrieb & Marketing, Personal und so weiter in einem Unternehmen, die Bereiche Einlagen, Kredite & Risikomanagement, Vertrieb & Marketing und Personal.

Vertrieb & Marketing

Svenska Handelsbanken ist aus dem Norden Europas (Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark) als eine der größten Banken nicht mehr wegzudenken. Mittlerweile hat das Unternehmen auch begonnen, nach Großbritannien zu expandieren. Die Bank dürfte hierzulande kaum bekannt sein.

Also wofür steht die Marke? Witziger Weise und ohne Sarkasmus steht sie für die größte Kundenorientierung.

Es ist absolut bemerkenswert, dass das Geldhaus den Jahresbericht im aller ersten Satz mit dem Kundenzufriedenheitswert aus dem EPSI Rating (eine Marktforschungsgruppe aus dem europäischen Norden) beginnt. Keine Eigenkapitalrendite, kein EBIT, kein Cashflow – Kundenzufriedenheit!

Wofür steht die SHB noch? Sie gilt derzeit als das sicherste Kreditinstitut Europas und hat eine sehr konservative Risikopolitik bei der Kreditvergabe. Zusätzlich gilt sie als Lehrbeispiel für hierarchiearme Führung und verantwortungsbewusstes lokales Handeln.

Aus meiner Sicht ist das ein sehr interessanter Markenkern, da es genau die Vorgehensweise aufzeigt, die ich an deutschen Banken vermisse. Es fehlen uns irgendwie die ehrbaren Kaufleute im Bankensektor.

Die Vertriebsstrategie der Schweden ist im Einklang mit dem Markenkern auf organisches Wachstum ausgelegt. Eine Region nach der nächsten wird erschlossen und profitabel gemacht – seit 1871. Außerdem ist mir bei meiner Recherche aufgefallen, dass die Bank mit seinen Kunden kein „Entweder oder“ fährt in Hinblick auf online vs. Filiale. Sie versucht das „und“. Die Strategie ist den Kunden persönlich kennen zu lernen (und sei es durch Videochat) und ihm dann das digitale Handling aller Bankgeschäfte so einfach wie möglich zu machen.

Obwohl es eine Universalbank ist, scheint mir ein Hauch von Schwerpunkt auf dem gewerblichen und Firmenbereich zu liegen. Aber das kann auch nur meine subjektive Interpretation sein.

Für eine Investmententscheidung ist festzuhalten, dass die SHB eine hohe Markenkontinuität besitzt und die Expansionsstrategie im Vertrieb im Einklang mit diesem Kern ist. Zusätzlich ist meine eigene Bedingung nur den Marktführer oder den zweiten zu nehmen erfüllt. Nach Bilanzsumme wäre Nordea 1., SHB 2. und SEB auf dem 3. Platz.

Entwicklung Kundengeschäft

Einlagen

Hier lässt sich nicht viel sagen. Das Volumen steigt regelmäßig und langfristig. Daraus lässt sich schließen, dass Kunden der Bank durchaus vertrauen.

Und die Einlagen im Vergleich zum Kreditvolumen liegen nur bei rund 50%. Das ist zum Beispiel im Vergleich zur Commerzbank sehr wenig. Daraus lässt sich eine hohe Abhängigkeit vom Kapitalmarkt ableiten. Da die Gelder für die ausgegebenen Kredite ja irgendwo herkommen müssen, werden sie sich am Markt geliehen.

Kredite & Risikomanagement

Die Svenska Handelsbanken hat eine sehr interessante Kreditvergabepolitik. Auf der einen Seite gilt sie als sehr sicherheitsorientiert und konservativ. Auf der anderen Seite ist das Konzept der Umsetzung so gar nicht klassisch. Es ist hochgradig dezentralisiert bis zu dem Punkt, dass es Zeiten gab, in denen etwas mehr als 50% der Filialmitarbeiter einen Kredit vergeben durften, ohne eine zweite Person, die es absegnete. Ob das heute noch ein so hoher Anteil ist, lässt sich nicht nachvollziehen.

Was absolut erstaunlich ist in diesem Bereich, ist die Kreditausfallquote. Sie liegt bei 0,09% im Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Der Durchschnittswert der der deutschen Banken im Jahr 2009 war 2,4%.. Selbst wenn das in der Zwischenzeit auf 1% gefallen wäre, was ein herausragender Wert ist, wäre die SHB noch 10 Mal besser.

Aus Perspektive eines potenziellen Investors befürworte ich aufgrund dieser Schwerpunkte ein Engagement. Alles was ich über effektive Bank- & Unternehmenssteuerung in der Theorie weiß, setzten die Schweden um.

Und alles was nach vernünftigen Gesichtspunkten im Risikomanagement getan werden kann, muss offensichtlich passieren, sonst hätte die Svenska Handelsbanken nicht so ein geringes Ausfallvolumen. Die Bank war davor von einer Krise gebeutelt. Die Mitarbeiter wurden zudem sehr stark am Erfolg des Unternehmens beteiligt und hatten keine eigenbrötlerischen Individualziele mehr.

Die Rechnung ging auf. Seit dem Umbau gilt die Bank als Lehrbeispiel für Dezentralisierung, Führung mit Werten und kaufmännische Leistung.

Personal

Im Bereich Personal liegt meines Erachtens das absolute Alleinstellungsmerkmal der SHB. Weit vor den aller meisten Unternehmen, nämlich bereits in 70er Jahren, fing der damalige CEO Jan Wallander an, die Bank extrem zu dezentralisieren. Sein Hauptkonzept war durch Kundenfokus, Verantwortung im Markt (also beim Mitarbeiter in der Filiale) und disziplinierte Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen wieder profitabel zu werden.

In dem Umbau wurden Führungsprinzipien wie
– mit Werten lenken
– Mitarbeitern unternehmerisches Handeln ermöglichen
– alle Arbeit auf den Kunden ausrichten
– Transparenz bei Informationen für eine effektive Selbststeuerung schaffen
umgesetzt. Diese erhielten später auch Einzug in das Rahmenwerk des Beyond Budgeting-Modells, an dem die SHB auch mitwirkte.

Im Verlauf wurde innerhalb der Svenska Handelsbanken, wie bereits erwähnt, auch auf eine Bonusvereinbarung auf Teamziele und Unternehmensziele umgestellt. Die Stiftung die für die Mitarbeiterbeteiligung am Unternehmen verantwortlich ist, hält 10,4% der Anteile und ist der zweitgrößte Einzelaktionär.

Die Mitarbeiterfluktuation ist mit 3,9% im Jahr 2018 auch am unteren Ende der Skala. Zum Vergleich: Commerzbank hatte 5% und Deutsche Bank (in Deutschland) 6% im selben Jahr.

Das Urteil für diesen Bereich ist grundsätzlich auch positiv. Die Mitarbeiter haben bewiesen, dass sie leisten können und haben auch eine gewisse Eigenmotivation, dass die Bank erfolgreich ist. Die gelebten Werte und Führungsprinzipien greifen und sind für mich das Herzstück der Unternehmenskultur.

Schritt 2: Analyse des Managements der Svenska Handelsbanken

Carina Åkerström

Über Frau Åkerström gibt es leider sehr wenig im Internet zu finden. Selbst auf der schwedischen Wikipedia-Seite sind nur 6 Zeilen Text. Zum einen ist das natürlich positiv, dass jemand mal nicht im Rampenlicht stehen muss bzw. will. Zum anderen ist es natürlich nicht unbedingt förderlich für meine Zwecke.

Was findet man? Nun, sie fing 1986 in der SHB an. Seit 2006 ist Frau Åkerström in der Unternehmensführung und seit 2016 war sie stellvertretender Vorstandsvorsitzender.

Sie ist seit 27.03.2019 also noch nicht mal ein Jahr CEO. Ein Urteil kann unmöglich fair gefällt werden. Noch dazu, dass die Datenlage so dünn ist.

Aus Investorensicht stört mich das ein wenig. Allerdings glaube ich auch, dass die besten Unternehmen ihre Führungsmannschaft aus den eigenen Reihen rekrutieren. Das ist hier sehr deutlich geschehen.

Schritt 3: Finanzanalyse der SHB

Auf meinen Recherchen bin ich auch auf einen Bloomberg-Artikel gestoßen, der die Aufgaben der neuen Chefin zum Thema hat. In diesem Artikel wird auf die „desolate“ Kostensituation bei der Svenska Handelsbanken eingegangen. Das darin gefällte Urteil kann ich nach meinem Blick auf die Finanzen nicht teilen.

Schauen wir uns ein paar Kennzahlen an. Das Eigenkapital wächst durchschnittlich mit rund 13%. Die Gesamtkosten sind laut dem Artikel und Jahresabschluss zwar gestiegen, allerdings sind auch die Erträge deutlich angestiegen. Setzt man beides ins Verhältnis als eine Gesamtkostenquote landet man bei einem ziemlich kontinuierlichen Bild zwischen 40% und 50% in den letzten 10 Jahren. (Was der Artikel bestätigt, nur, dass er eine sehr feine Skala ansetzt und beschreibt, dass die SHB von allen Banken im Norden die schlechtestes ist, da sie jetzt eher an der 50% ist  als an der 45%) Aus meinem Blick ein sehr solides Unternehmen.

Aufteilung der Kosten der SHB

Zu dem Thema Risiko hatte ich schon etwas geschrieben. Was noch von Interesse ist, ist die Umsatzrendite. Die lässt sich leider bei Banken nicht so gut vergleichbar machen, wir bei anderen Unternehmen. Ich habe jetzt das Jahresergebnis nach Steuern genommen und ins Verhältnis zu der Summe aller Erträge gesetzt. Heraus kam, dass diese Quasi-Umsatzrendite immer an der 40% kratzt – eine schöne fette Marge.

Einer der wichtigsten Werte für meine Bewertung ist der Cashflow. Was dem Laien nicht viel sagen wird, aber worauf meiner Meinung nach unbedingt geachtet werden sollte, ist, dass es für Banken üblich ist, die Zu- und Abnahmen bei den Einlagen und Krediten in der Cashflow-Rechnung  unter operativem Cashflow auszuweisen. In der „normalen“ Unternehmenslogik wären das allerdings Anlagen und Finanzierungen und somit nicht dem operativen Geschäft zuzuordnen. Wenn man das grob heraus rechnet und ins Verhältnis zu den Erträgen setzt, landet man bei etwas mehr als der Umsatzrendite.

Der Cashflow wächst übrigens ungefähr 4% pro Jahr. Die Erträge wachsen auch ungefähr mit 4% und der Gewinn eher mit 6% pro Jahr. Meiner Meinung nach sind das alles sehr vernünftige Werte, die für mich auch in der Zukunft vorstellbar sind.

Der Unternehmenswert

Entwicklung Unternehmenswert der SHB

Nimmt man all diese Werte und prognostiziert sie über die nächsten 50 Jahre, dann landet man bei einem heutigen Wert von ungefähr 34,9 Mrd Euro (abgezinst mit 7%). Das Unternehmen hat derzeit einen Börsenwert von ungefähr 17,9 Mrd. Euro (Stand 22.01.2020). Das ist der sogenannte Ertragswert. Wenn man heute investiert und davon ausgeht, dass die SHB in 50 Jahren diesen Wert an der Börse erreicht, hätte man eine Rendite von 12,3% pro Jahr erzielt.

Unterstellt man kein weiteres Wachstum und schreibt alles fort, wie es in 2018 erreicht wurde, wäre der Ertragswert bei 22,1 Mrd Euro – also immer noch über dem jetzigen Börsenwert und man läge bei einer Rendite von 8,6%.

Beides liegt in meinem Zielkorridor. Es sind zwar keine atemberaubenden Zahlen, aber mir scheinen sie belastbar.

Einen Substanzwert, der den Namen verdient, gibt es bei Banken in meinen Augen nicht. Durch den hohen Fremdkapitalanteil und die Jahrzehnte, die eine Abwicklung braucht (alle Kreditverträge und Festgelder müssen gemäß vereinbarter Laufzeit erfüllt werden), kann man sich sicher sein, dass im Insolvenzfall wenig bis nichts für den Aktionär bleibt.

Das Fazit aus der Finanzanalyse ist für mich, dass die Svenska Handelsbanken genau meine Kragenweite ist. Solide Zahlen seit sehr langer Zeit und grundsätzlich profitabel mit gesundem Wachstum – das ist genau, was ich suche.

Schritt 4: Risiken bei einem Investment in SHB

Ähnlich wie bei SCA gibt es leider nur wenige für mich verständliche Quellen. Auch hier sind die wichtigsten Dinge auf Englisch im Jahresabschluss enthalten, geben aber ein sehr einseitiges Bild.

Das nächste Risiko, das ich nennen möchte ist das Währungsrisiko. Seit Mitte 2012 ist die Schwedische Krone stetig schwächer geworden. Das wirkt natürlich gegen die Rendite. Nimmt man nur den angesprochenen Zeitraum reden wir über 3,2% „jährlichem Schaden“. Schaut man sich die Sache langfristig an und setzt die Entwicklung seit 1992 an, reden wir nur noch über 1,3% Wertverlust.

Die Svenska Handelsbanken ist zudem stark im Vereinigten Königreich engagiert. Die Nummer mit dem Brexit steht ja irgendwann demnächst dann doch endlich an. Wie sich das auf das Ergebnis der SHB auswirken wird, kann ich nicht abschätzen. Ich persönlich gehe aber davon aus, dass es keine Schwierigkeiten geben wird, die langfristig das Ergebnis meiner Prognose unbrauchbar machen werden.

Der letzte Punkt, der auch schon angesprochen wurde, sind die Fähigkeiten von Frau Åkerström. Ich glaube, sie ist nicht ohne Grund CEO geworden. Allerdings gibt es nach noch nicht mal einem Jahr keine beobachtbare kontinuierliche Leistung.

Fazit:

Die Svenska Handelsbanken gehört ins JFP Portfolio. Einerseits ist das Unternehmen unterbewertet. Andererseits hat es in der Vergangenheit erfolgreich und konsistent Leistung gezeigt. Mir sind es die Risiken wert.

Und wie immer:

Wichtige Hinweise

Die zur Verfügung gestellten Informationen stellen keine Aufforderung zum Kauf oder eine Beratungsleistung dar, sondern ausschließlich meine subjektive Meinung. Die Recherche, die diesem Artikel vorausgegangen ist, kann weitere nicht genannte Punkte enthalten, die für mich meinungsbildend waren bzw. unvollständig in den Augen eines Dritten sein. Weder ich noch die JFP GmbH übernehmen die Haftung für Verluste aus Wertpapiergeschäften, die ein anderer tätigt.

In die Recherche zu diesem Investment sind 10,5 Stunden reine Arbeitszeit geflossen.

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