Das Wichtigste bei der Gedlanlage

Was ist das Wichtigste bei der Geldanlage?

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Kennst Du das auch? Du kümmerst Dich vorbildlich um Deine Geldanlage. Vielleicht hast Du einen Fondssparplan. Vielleicht fließen die vermögenswirksamen Leistungen Deines Arbeitgebers in einen Bausparvertrag. Oder Du hast sogar eine Rentenversicherung. Alles läuft gut für ein bis zwei Jahre und Du sagst Dir: „Das Wichtigste bei der Geldanlage war schon immer das richtige Produkt zu nehmen!“

Dann brauchst Du das Geld plötzlich für eine neue Küche, die Reparatur Deines Autos oder einen Urlaub. Das ist ja kein Problem, denn Du hast ja Geld an den Rand gelegt. Du löst den Vertrag auf. 

Dabei ärgerst Du Dich schwarz, weil das alles irgendwie nichts gebracht hat. Aus Deinem Bausparvertrag kriegst Du weniger raus, als rein gegangen ist. Deine Fonds sind gerade im Keller. (Sollten die sich nicht mit 12% pro Jahr verzinsen?) Und der große Versicherer bei dem Du Deine Rentenversicherung hattest, gibt Dir gleich gar nichts. „Es ist noch keine Rückkaufswert entstanden“ heißt es dann so schön im Brief. Du bist erstmal wieder durch mit dem Thema Geldanlage. Alles Abzocke!

Was läuft verkehrt?

Wie so vielen, ging es mir genau so. Aber woran liegt das? Springen wir zurück an den Anfang. Wir kannten jemanden der uns sagte: „Da musst Du hingehen:“ Wir gingen hin und wurden beraten. Auf die Frage „Wie wichtig finden Sie eine Vorsorge fürs Alter?“ antworteten wir brav „Sehr wichtig!“. Nachdem wir die Hochrechnung für die Miete sahen, die wir in unserem Leben noch zahlen würden, war uns klar, wir wollen irgendwann unsere eigene Hütte. Auch dafür wollten wir schon Geld anlegen. Und weil die beste Geldanlage der Welt Aktienfonds sind und wir heiß waren auf die 12% durchschnittliche Rendite in den letzten 10 Jahren, schlossen wir auch noch sowas ab. 

Niemals dachten wir daran, dass wir unsere Karre durch den TÜV kriegen müssen. Oder dass wir mit einem Partner zusammen ziehen und eine größere Küche brauchen. Vielleicht haben wir uns das auch gedacht und waren der Meinung „Dat wird schon…!“. Wer weiß das heute schon noch? Heute, 2 Jahre später, stellen wir nur fest, dass unsere Geldanlage nicht das getan hat, was sie sollte, nämlich mehr werden.

Die zwei Fehler bei der Entscheidung

Es gibt 2 große Fehler, die ich damals machte. 

Erstens…

…ich hatte die falsche Erwartung an meine Geldanlage. An dieser Stelle möchte ich einen kleinen gedanklichen Ausflug in den Rest unseres Lebens starten.

In jedem Bereich hat die Menschheit Werkzeuge entwickelt, die das Leben einfacher machen. Im 21. Jahrhundert haben wir eine Menge Hilfsmittel. Wenn ich will, kann ich morgens, noch vor dem Aufstehen, mein Auto heizen, meinen Kaffee kochen, meiner Mutter mit einer Nachricht zum Geburtstag gratulieren und noch vieles mehr. Nach dem Aufstehen kann ich zur Arbeit fahren, Nägel in die Wand hauen oder meine Wohnung säubern. Und auch dafür hat unsere Spezies passende Werkzeuge erfunden.

Es fällt auf, dass wir für jeden erdenklichen Zweck etwas haben. Wenn ich einen Nagel in der Wand will, nehme ich einen Hammer in die Hand. Ich könnte auch meine Kaffeemaschine nehmen und wäre sicherlich erfolgreich. Es ist jedoch viel zu umständlich. 

Bei der Geldanlage gilt das selbe Prinzip. Sie muss zum Ziel passen, sonst kann sie nicht das leisten, was sie soll.

Zweitens…

… ich beurteilte das Werkzeug, nicht den Zweck den es erfüllen soll. Natürlich ist ein Hammer sinnvoll, genau wie ein Bausparvertrag. Jedes Werkzeug ist sinnvoll, wenn ich versuche, den Zweck zu erreichen für den es gemacht wurde. Wenn ich dieses Ziel aber nicht habe, brauche ich das Werkzeug nicht. Wenn ich also keinen Nagel in der Wand will, wozu dann ein Hammer?

Haus oder Urlaub? Was ist das Wichtigste bei der Geldanlage?

Im Bereich der Geldanlage machen wir aber genau das! Wir nehmen die Filtertüte, um den Boden zu wischen und das Auto, um Dinge aus dem Keller zu holen. Wir (und ich meine hier den stinknormalen Mitteleuropäer bzw. mich mit Mitte 20) gehen davon aus, dass ein Produkt, das mich gegen Altersarmut absichert, genauso dafür geeignet ist, meinen Urlaub zu finanzieren. Das Produkt, um Zinsen bei einer Immobilienfinanzierung niedrig zu halten, soll auch risikolos 4% Ertrag pro Jahr abwerfen. Die langfristige Geldanlage soll jedes Jahr mit den durchschnittlichen 12% verfügbar sein, falls mal Geld zwischendurch gebraucht wird.

Kurz, wir haben eine sehr umfangreiche (oder schwammige?) Erwartung an unsere Geldanlage. Aber hätten wir diese Erwartung auch an einen Hammer? Ist er wirklich bestens dafür geeignet, mich zur Arbeit zu bringen?

Und wir lassen uns bequatschen, wie toll all diese Werkzeuge sind, ohne darüber nachzudenken, was wir wirklich wollen. (Nur ein kleiner Hinweis: Rolf Dobelli hat ein sehr kurzweiliges Buch oder Hörbuch über typische Denkfehler verfasst – witzig und lehrreich)

Das Wichtigste bei der Geldanlage

Meiner Meinung nach ist es das aller, aller Wichtigste bei der Geldanlage eine Vorstellung davon zu haben, was ich mit ihr erreichen möchte. Ich brauche ein klares Ziel. Wenn ich das habe, kann ich die Werkzeuge wählen, die mir bei der Erreichung helfen. 

Dazu mal drei Gedanken vorab:

  1. Ich erlebe es oft, dass sich Menschen Ziele setzen, weil sie gut klingen oder andere das auch haben. In meinen Augen ist das ein Fehler. Viele meiner Freunde haben eigene Immobilien und sind glücklich damit. Ich habe dafür meine Zeit noch nicht mit Carportbauen oder Dach-sanieren „verschwendet“ und bin auch glücklich damit, weil es nicht meine Welt ist.
  2. Eigentlich ist das Wichtigste bei der Geldanlage gar nicht das Ziel, sondern die Erkenntnis, dass es nur Mittel zum Zweck ist. Was nützen mir Millionen, wenn ich beim Erarbeiten meine Ehe ruiniere oder den Spaß im Leben verliere? Ich habe noch keinen Kontostand auf einem Grabstein gesehen… Geld ist auch nur ein Werkzeug. Und es gibt kaum etwas schöneres, als die Tage an denen ich mit Familie und Freunden mein Urlaubsgeld verprasse und das dritte Eis an diesem Vormittag für meine Kinder kaufe, bevor wir uns einen Burger reinziehen, weil keiner kochen will…
  3. Pläne können sich ändern. Ich wollte auch mal im eigenen Haus wohnen. Ich hatte auch einen Bausparvertrag. Dann hat sich das geändert. Das Geld hätte ich tatsächlich besser anlegen können – im Nachhinein betrachtet. Ich und, soweit ich weiß, jeder andere auch müssen aber nach vorn blickend entscheiden. Das macht den Bausparvertrag nicht zu einem schlechten Produkt. Es war zu dem Zeitpunkt trotzdem die richtige Entscheidung.

Wie berücksichtige ich das Wichtigste bei der Geldanlage?

Wie setzt man jetzt das aller Wichtigste bei der Geldanlage in die Tat um? Der erste Schritt in meinen Augen besteht darin, die großen Eckpfeiler seines Lebens zu finden. Die Dinge, bei denen man sich heute zu „100%“ sicher ist, dass man sie noch umsetzen wird. Ich mache das mal an zwei Beispielen fest. 

Henry bald 40

Ein guter Bekannter, nennen wir ihn Henry (Name geändert), hat drei Kinder und ist (hoffentlich) glücklich verheiratet. Er ist Abteilungsleiter, Mitte bis Ende 30 und hat keine finanziellen Existenzängste mehr. Ich weiß, dass ein größeres Haus irgendwann nochmal ein Thema sein könnte bei ihm. Wir haben zwar nie darüber gesprochen, aber ich vermute, dass er seinen Kindern eine Ausbildung finanzieren will. Außerdem wird er irgendwann alt und grau sein und nicht mehr arbeiten für sein Geld. Seine Frau erwähnte auch mal den Wunsch nach einem neuen Auto, Wir haben also die möglichen Eckpfeiler Immobilie, Ausbildung der Kinder, Auto und Rente. Vielleicht kommt noch eine Weltreise hinzu. Das muss Henry entscheiden. 

Das Wichtigste bei der Geldanlage in Henrys Fall ist zu entscheiden, wofür er etwas tun muss oder will. 

Eine durchaus sinnvolle Variante (es muss nicht die sinnvollste sein) wäre, zu sagen: „Meine Frau arbeitet auch und irgendwann wieder mehr. Die Ausbildung der Kinder kriegen wir mit unserem normalen Gehalt hin. Ich werde mir wahrscheinlich auch eine Finanzierung für ein Auto leisten können.“ Henry hat also als die wichtigsten Ziele für seine Geldanlage „nur noch“ Immobilie und Rente.

Daniel am Anfang

Als nächstes nehmen wir Daniel (Name ausgedacht), ein Azubi Anfang 20, der in der Nähe von Berlin lernt. Auf ihn kommen noch andere Lebensereignisse zu. Zum Beispiel: eigene Mietwohnung, neue Möbel und Geräte, Ehe und Kinder, Weiterbildung, eigenes Haus und der Traum, irgendwann so viel Geld zu haben, dass man nur zum Spaß arbeitet. Daniel muss ähnliche Überlegungen anstellen. Was davon benötigt wirklich extra Geld? Nehmen wir die Weiterbildung. Mit all den möglichen Förderungen braucht er dafür wahrscheinlich nichts oder nicht viel an die Seite zu legen. Nehmen wir neue Möbel. Die Erstausstattung durch die Eltern ist gut, aber nicht ewig brauchbar. Je nach Anspruch und Situation könnten hier schon ein paar Euros mittelfristig an den Rand wandern. Ehe und Kinder sind meistens mit viel Geschenken verbunden. Das kann man sicherlich unter den Tisch fallen lassen. In manchen Kulturkreisen ist die Eheschließung jedoch eine echte finanzieller Herausforderung. Das muss jeder für sich entscheiden. Was bleibt, sind die Immobilie und der Batzen Geld, um davon zu leben. Hier muss natürlich ein handfester Plan her, um das auch Realität werden zu lassen. In jedem Fall ist das Wichtigste für die Geldanlage, dass Daniel weiß, was er damit vorhat. 

Es gibt natürlich noch viel mehr Fragen zu beantworten. Aber das Wichtigste bei der Geldanlage ist und bleibt eine klare Zielstellung. Jetzt, da Henry und Daniel wissen, was sie vor haben, und es sogar aufschreiben, kann man die richtigen Werkzeuge auswählen. Es bringt eben nichts, sich das Werkzeug anzusehen und zu entscheiden, ob es sinnvoll ist für die Weltreise, wenn man nicht um die Welt will. Außerdem dürfen beide nicht nur einfach ein Produkt nehmen und hoffen, dass dann alles gut wird. Es ist unwahrscheinlich, dass ich sehr verschiedene Ziele mit der gleichen Geldanlage erreiche.

Was ist das Wichtigste bei Deiner Geldanlage?

Unten findest Du als Download einen kleinen Katalog von Fragen, der Dir dabei helfen soll, das Wichtigste bei Deiner Geldanlage zu finden. Ich sage bewusst nicht „in Deinem Leben“. Das wäre vermessen. Hoffentlich sind es auch andere Dinge, als die hier angesprochenen. Geld selbst ist, wie gesagt, auch nur ein Werkzeug.

Es ist der erste Abschnitt mehrerer Downloads, die Dir ermöglichen sollen, das Thema aus einem anderen Blickwinkel als bisher zu sehen.

Schritt 1: Ziele meiner Geldanlage

Wichtiger Hinweis: Dieser und ähnliche Artikel sind ausschließlich meine Meinung. Es gibt andere Vorgehensweisen und Meinungen. Ich erheben keinen Anspruch auf allumfassendes Wissen oder Weisheit in diesem Bereich. In meinen Augen können ein paar Zeilen und Downloads eine qualifizierte Beratung zur Geldanlage mit all den individuellen Besonderheiten einer Person auch nicht ersetzen.

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