Wie investiere ich 10.000 Euro richtig?

Wie investiere ich 10.000 Euro richtig?

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Immer wieder lese ich in Foren die Frage, wie investiere ich 10.000 Euro oder irgendeinen anderen einzelnen Betrag möglichst sinnvoll. Das Problem: Eine vernünftige Antwort ist von einer großen Menge Bedingungen abhängig.

Welches Ziel verfolge ich beim Investieren?

Das Erste, was Du erledigen musst, ist eine Zielbestimmung. Menschen sparen und investieren für ganz unterschiedliche Ziele. Der eine möchte vielleicht in den nächsten Jahren ein Haus kaufen. Ein anderer sagt Altersvorsorge. Und Du sagst Dir vielleicht einfach nur Vermögensaufbau. Natürlich gibt es auch noch Hochzeit, Kinder, Weiterbildung und viele weitere Themen. 

Aber in jedem Fall beginnt die Antwort auf die Frage „Wie investiere ich 10.000 Euro sinnvoll?“ mit einer Einschränkung durch die eigenen Ziele.

Nachfolgend gehe ich für mein Beispiel davon aus, dass langfristig Vermögen aufgebaut werden soll. Vielleicht soll damit die Rente aufgebessert werden, vielleicht auch ein Grundstein fürs Erbe an die Kinder gelegt werden. 

Wie viel Zeit steht mir zur Verfügung?

Als Nächstes gilt es, einen Zeithorizont festzulegen. Wenn Du das nicht tust, dann kann es Dir passieren, dass Du die falschen Werkzeuge ins Auge fasst und Dein Ziel nicht erreichst. Zum Beispiel sollte jemand mit dem Ziel, in 3 bis 5 Jahren ein Haus zu kaufen, anders investieren als jemand, der dafür noch 10 bis 15 Jahre Zeit hat.

Für unser Beispiel gehe ich von 30 Jahren und mehr aus. Auf diesem Weg kann ich den langfristigen Vermögensaufbau unter die Lupe nehmen, bei dem es eher um Gewinnmaximierung geht als um das Erreichen einer Zielsumme.

Wie abhängig bin ich von der Investition?

Die Antwort auf unsere Frage „Wie investiere ich 10.000 Euro RICHTIG?“ ist wesentlich von der Notwendigkeit abhängig, ob dieses Geld in der Sparphase verfügbar sein muss. Nehmen wir einmal an, Du hast keine Reserven und in 2 Jahren benötigst Du ungeplant ein neues Auto. Investieren mit ReserveDas wird Dich zu anderen richtigen Investitionen führen, als wenn Du dafür Reserven hättest.

Zusätzlich sind auch andere Vermögensgegenstände, zum Beispiel eine selbst genutzte Immobilien, zu berücksichtigen.

Im weiteren Verlauf gehe ich für unser Beispiel davon aus, dass die 10.000 Euro nicht plötzlich gebraucht werden und in keinem größeren Zusammenhang zu anderen Vermögensgegenständen stehen.

Welche allgemeine Geldanlagestrategie möchtest Du verfolgen?

Wenn Du mal Investmentstrategien googelst, wirst Du feststellen, dass es eine Vielzahl von unterschiedlichen Wegen, Gedanken, Klassifikationen und dergleichen zum Thema gibt. In meinen Augen lassen sich aber alle in drei große Kategorien hinsichtlich Rendite und Risiko einteilen.

  1. Verfolgung einer maximalen Rendite (und somit eines hohen Risikos)
  2. Verfolgung eines optimalen Rendite-Risiko-Verhältnisses
  3. Erreichung eine Zielrendite unter einem so gering wie möglichem Risiko.

Ich gehe von zwei großen Kernrisiken in meiner Betrachtung aus. Erstens, es gibt das Risiko, dass  Teile oder das gesamte Kapital verloren gehen. Zweitens ist für mich das Risiko, dass der Wert des Portfolios stark schwankt und ich durch persönliche Umstände zu einem ungünstigen Zeitpunkt auf das Kapital zugreifen muss.

„Wie investiere ich 10.000 Euro richtig?“ will ich unter der Annahme von Punkt 3 beantworten. Ich gehe also davon aus, dass eine Zielrendite von 6% pro Jahr (im Durchschnitt) bei geringem Risiko erreicht werden sollen.

Welche Eigenschaften sollen oder können Deine Werkzeuge haben?

Diese Frage auf dem Weg zum richtigen Investieren von 10.000 Euro zielt auf die Auswahl der Anlageklassen ab. Die Überlegungen, die Du dabei anstellen solltest, sind zum Beispiel folgende:

  • Sollen meine Investments regelmäßig Cash auszahlen oder will ich erst am Ende durch Verkauf meinen Gewinn realisieren?
  • Dürfen meine Investments im Ausland angesiedelt sein?
  • Möchte ich fremden Währungen ausgesetzt sein?
  • Bevorzuge ich gewisse Anlagekategorien, weil ich mich darin besser auskenne?
  • Bin ich bereit, mit Kredit bzw. Hebel zu arbeiten?
  • Wie zeitintensiv darf der Investmentprozess sein?

Es gibt noch etliche weitere Fragen, die sinnvollerweise gestellt werden sollten. Im Kern geht es hier darum, die Randbedingungen festzulegen.

Die Begrenzungen, die ich für unser Beispiel wähle, sind relativ einfach. Der Zeitaufwand soll so gering wie möglich sein. Fremde Währungen und Instrumente, die ihre juristische Grundlage außerhalb der EU haben, sind tabu. Hebelprodukte und Kredite fallen aus und es wird keine Anlagekategorie aufgrund von Spezialwissen bevorzugt. Außerdem sollen die Anlageinstrumente regelmäßig Cash auszahlen.

Wie investiere ich 10.000 Euro richtig?

Endlich kann die Frage sinnvoll beantwortet werden. Fangen wir mit den Überlegungen an, die nicht zum Ziel führen. Danach stürzen wir uns auf die zielführenden und die Auswahl der Werkzeuge, die uns weiter bringen. Zuletzt schauen wir noch auf ein paar grundsätzliche Aspekte, die das Thema begleiten.

Nicht zielführend

Aus dem Kontext ergibt sich hoffentlich für jeden, dass folgende Werkzeuge komplett die falsche Richtung einschlagen: sämtliche Formen von Optionen, CFDs, Mini-Futures und dergleichen und die Aufnahme von Kredit. Somit fallen dann auch gleichzeitig direkte Investments in Immobilien ins Wasser, da die selten mit 10.000 gesamten Kapital zu erwerben sind.

Investitionen in einzelne Aktien sind im Rahmen der Strategie auch nicht möglich. Die Recherche und andauernde Überwachung sind viel zu zeitintensiv. Zudem fehlt das Spezialwissen, um verlässlich erfolgreich bei der Auswahl geeigneter Titel zu sein. 

Rohstoffe, seltene Erden und Gold sind für Direktkäufe auch nicht geeignet. Sie erfüllen das Kriterium nicht, regelmäßige Auszahlungen aus der Anlage zu erhalten.

Private Equity und Beteiligungen an Wald, Schiffen und einzelnen Immobilien erfüllen nicht die gewünschte Risikobegrenzung.

Das Risiko einzelner Anleihen, außer vielleicht Staatsanleihen, kann auch nur mit Fachwissen erfolgreich bewertet werden. Zudem sorgen die hohen Einkaufswerte dafür, dass das Ausfallrisiko nicht sinnvoll gestreut werden kann.

Zielführend

Wie investiere ich 10.000 Euro denn nun richtig? Im Rahmen der gewählten Begrenzungen gibt es eigentlich nur Fonds und Tages- und Festgeld-Konten als sinnvolle Anlagewerkzeuge. Der Hauptgrund ist die Risikostreuung, die Fonds ermöglichen. Mit einem Fonds kannst Du in Hunderte Einzelwerte gleichzeitig investieren. Das eröffnet den Zugang zu folgenden Anlageklassen für die Anlage der 10.000 Euro: Aktien, Anleihen und Immobilien (der Ausschluss im vorherigen Absatz war auf einzelne Immobilien bezogen – ein offener Immobilienfonds erfüllt die Maßgabe der Risikobegrenzung).

Da einer der wesentlichen Einflussfaktoren auf die Rendite die Kosten eines Produktes sind, grenzen wir die Auswahl noch weiter ein. Wir betrachten ab jetzt also nur noch ETFs. Sie haben im Normalfall die günstigste Kostenstruktur. Ein Problem gibt es dabei jedoch. Mir ist kein ETF bekannt, der direkt in Immobilien investiert. Diese Anlageklasse ist also nur noch indirekt durch einen ETF mit dem Fokus auf REITs erreichbar.

Festlegung der Verteilung

Wir kommen nun zum absolut wichtigsten Aspekt. Es gibt genügend Studien, die seit den 80er Jahren belegen, welche Einflussgrößen für den Investment-Erfolg am wichtigsten sind. Klassisch wird zwischen den drei folgenden Tätigkeiten unterschieden: 

  1. Auswahl von Wertpapieren (Security Selection)
  2. Entscheiden, wann gekauft und verkauft werden soll (Market Timing) und
  3. Verteilung des Geldes auf Anlageklassen (Asset Allocation oder Strategy).

Dabei ist der Erfolg eines Portfolios bewiesenermaßen zu 90% und mehr von der Asset Allocation abhängig. Security Selection nimmt 4-5% ein und Market Timing ungefähr 2%. Der Rest entfällt auf andere Faktoren. 

Richtig investieren -Asset Allocation

Ich wiederhole nochmal: Über 90% des Erfolgs wird durch die Auswahl der Anlageklassen bestimmt! Wer die Frage „Wie investiere ich 10.000 Euro richtig?“ vernünftig durchdenken will, sollte also den größten Teil seiner Überlegungen auf diesen Aspekt konzentrieren.

Die meisten werden sich natürlich trotzdem viel mehr mit der Auswahl von Produkten beschäftigen. Es ist halt viel cooler und sowieso das, was alle machen. Aber es ist aus wissenschaftlicher Sicht der Verteilung auf die Anlageklassen unterzuordnen.

Im nächsten Schritt versuche ich anhand einer einfachen Idee, die Prinzipien hinter einer guten Asset Allocation darzustellen. Die Fachleute mögen mir vergeben. Ich weiß, dass es unzureichend ist. Die Anfänger mögen mir vergeben. Mir ist klar, dass es sehr „Mathe-lastig“ ist.

Chance-Risiko-Verhältnis

Um eine gute Entscheidung für die Verteilung unseres Geldes zu treffen, definieren wir zuerst zwei Dinge. 

Erstens, die zu erwartende Rendite soll die „bewiesene“ langfristige Performance der Anlageklasse sein, quasi „durch dick und dünn“. Diese Betrachtungsweise ist nicht perfekt, aber für die meisten brauchbar.

Zweitens, für unser Risiko nehmen wir den maximalen (prozentualen) Verlust dieser Anlageklasse in derselben Zeit. Letzteres heißt im Fachjargon „maximum drawdown“. Auch das ist nicht das Maß der Dinge, aber es sind Werte, die man über Google ohne Fachwissen recherchieren kann.

Als langfristigen Zeitrahmen für beides empfehle ich deutlich mehr als die letzten 10 Jahre zu nehmen. Die Fachwelt geht hier eher von 50 bis 100 Jahren aus.

Wir gehen jetzt für unser Beispiel von drei Anlageklassen aus.

  1. Cash – erwartete Rendite 0% p.a., maximaler Verlust 0%
  2. Europäische Staatsanleihen – erwartete Rendite 4,9% p.a., maximaler Verlust 13,5%
  3. Weltweite Aktien – erwartete Rendite 8,3% p.a., maximaler Verlust 30%

Für unser erstes Beispiel wählen wir die folgende Verteilung:

Asset Allocation 1

Diese Asset Allovation gibt uns eine „erwartete“ Rendite von rund 6% pro Jahr und ein mögliches Verlustrisiko im Sinne eines maximalen Drawdowns von rund 21%.

Eigentlich könnten wir jetzt sagen, die Verteilung ist geklärt, wir wissen, wie man 10.000 Euro richtig investiert.

Das Problem mit der Verteilung auf die Anlageklassen ist, dass Du unterschiedliche Verteilung testen musst. 

Schauen wir uns ein zweites Beispiel dazu an:

Wie investiere ich 10.000 Euro richtig?

Auch hier kommen rund 6% Rendite pro Jahr als Ergebnis heraus, allerdings bei weniger Risiko! Im Rahmen der gewählten Strategie sollte eine Zielrendite von 6% pro Jahr erreicht werden, bei einem möglichst geringen Risiko. Variante 2 wäre also die richtige Verteilung.

Und hier siehst Du hoffentlich schon, wie weitreichend diese Entscheidung ist, ohne, dass wir überhaupt darüber nachgedacht haben, welcher Fonds nun eigentlich der beste ist.

Auswahl der Produkte

An dieser Stelle kommen wir nun zu dem, wovon die meisten glauben, dass es das wichtigste ist. Wie investiere ich 10.000 Euro richtig? Durch die angestellten Vorüberlegungen sollten 6.500 Euro in einen ETF fließen, der breit gestreut in Anleihen investiert. Obwohl mein Beispiel sich auf europäische Staatsanleihen bezog, ist ein weltweit streuender Fonds deutlich empfehlenswerter. Die Chance-Risiko-Eigenschaften für das Portfolio ändern sich dann natürlich nochmal ein wenig.

3.500 Euro sollten in einen ETF fließen, der weltweit in Aktien investiert. Meine Werte im Beispiel beziehen sich auf den MSCI World Index. (Wer gehofft hat, eine Anleitung zur Aktiensuche zu erhalten, kann hier nachschauen.)

Gemäß der Strategie ist darauf zu achten, dass die ETFs ausschüttend sind. Die Kostenquote als potenzieller Renditekiller sollte so gering wie möglich sein. Ich persönlich würde einen voll replizierenden Fonds (kauft die Werte tatsächlich selbst ein) bevorzugen, der von einer großen Fondsgesellschaft, z.B. iShares, aufgelegt wurde. Ich wäre bereit, dafür auch mehr Kosten zu ertragen. Ein swap-basierter ETF (bildet einen Index durch Tauschgeschäfte mit anderen Vertragspartnern ab, ohne die Werte tatsächlich zu besitzen), der in der Regel günstiger ist, von einer unbekannteren Gesellschaft ist deswegen aber noch lange nicht schlechter. Wichtig ist nur, dass Du die Alternativen kennst, bevor Du Dich entscheidest und Dir klarmachst, was Du und warum Du es bevorzugst.

Ein paar letzte Gedanken

In diversen Kreisen gibt es eine andauernde Diskussion, ob zum richtigen Investieren ein regelmäßiges Re-Balancing (Herstellung der ursprünglichen Verteilung durch Verkauf und Zukauf) gehört oder nicht. Fakt ist, dass es wissenschaftliche Studien gibt, die einen positiven Effekt auf sehr große Portfolios gefunden haben. Fakt ist auch, dass es Studien gibt, die bei kleinen Portfolios (und alles unter 10 Mio fällt deutlich in diese Kategorie) diesen Effekt nicht festgestellt haben, da die Kosten des Zu- und Verkaufs, die positiven Auswirkungen vernichten. Ich halte es für eine Glaubensfrage. Im Zuge der gewählten Strategie kann man in meinen Augen das Portfolio auch einfach 30 Jahre ignorieren, ohne Schaden zu nehmen.

Aktives Portfolio-Management, zum Beispiel durch den Versuch auf Marktphasen zu reagieren („Kaufe tief, verkaufe hoch“), hat sich für die überwiegende Mehrheit aller Marktteilnehmer in so ziemlich allen Studien als nicht vorteilhaft erwiesen. Wer dennoch eine aktive Komponente wünscht (und ich persönlich gehöre auch zu diesen Menschen), sollte sich vielleicht an der Core-Satellite-Idee orientieren. Man könnte sich ein passives Kernportfolio basteln und nur am Rand (Satellite) aktiv Positionen eröffnen.

Ich hoffe, jedem ist klar, dass eine ganz andere Antwort auf „Wie investiere ich 10.000 Euro richtig?“ herausgekommen wäre, hätte ich gesagt, das Ziel sei von den 10.000 Euro irgendwann die komplette Altersvorsorge zu bestreiten oder in 5 Jahren das Studium eines Kindes zu finanzieren. Es gibt nicht die eine Antwort für alle. (Eine weitere Antwort gibt‘s hier)

 

 

 

 

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