SW Umwelttechnik

SW Umwelttechnik – Risiko hoch, möglicher Ertrag hoch

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Die SW Umwelttechnik Stoiser & Wolschner AG aus Klagenfurt ist ein über 100 Jahre altes Familienunternehmen. Die Gruppe produziert Betonfertigteile für Infrastruktur auf und unter der Erde. Kurz gesagt, von Rohr bis Dach ist alles dabei. Einen besonderen Schwerpunkt legt das Unternehmen auf Nachhaltigkeit.

SW Umwelttechnik Stoiser & Wolschner AG – ISIN: AT0000808209

Analyse Geschäftsmodell

Das Geschäftsmodell der SW Umwelttechnik ist nicht kompliziert. Sie forscht und entwickelt Beton und Betonteile. Die Produkte werden an Unternehmen aus den Bereichen Tief- und Hochbau vertrieben. Schwerpunkt bilden die Länder Österreich, Ungarn und Rumänien. In den letzt genannten Nationen gibt es einen enormen Bedarf für den Aufbau von Infrastruktur. Zum Beispiel hat Rumänien einen Kanalanschlussgrad an Kläranlagen von 51%.

Wettbewerbsvorteile der SW Umwelttechnik

1. Innovation
Die AG forscht und entwickelt kontinuierlich. In 2019 wurde ein Werk in Ungarn fertig gestellt, das bewusst dafür ausgelegt ist, zusätzlich zur Produktion, F&E zu betreiben. Derzeit steht die Weiterentwicklung von ultra-hochfestem Beton auf der Agenda. Ein anderer Bereich ist der Schalungsbau. Hier wird mit Kunststoffen experimentiert, um alternative Produkte entwickeln zu können.
Die Forschungsausgaben schwanken zwischen 0,2 und 0,5 Mio Euro jährlich. Allerdings forscht das Unternehmen kontinuierlich. Das Ergebnis ist eine für mich überraschende Anzahl an Patenten.

2. Reputation
Im Zielsegment legt die AG viel Wert auf Nähe zur Kundschaft und langfristige Beziehungen. Diese Denkhaltung zieht sich durch so ziemlich alle Jahresberichte, die ich gelesen habe. Das Resultat, zumindest zum Teil und nicht zuletzt wegen dieser Haltung, ist die Marktführerschaft in den anvisierten Märkten.

3. Architektur
Auch bei den Mitarbeitern ist das Unternehmen geschätzt. Die Fluktuationsrate lag 2019 bei 14,3%. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Mitarbeiterfluktuation in Deutschland liegt um die 30%. Die niedrigsten Werte bei uns hat der Wirtschaftszweig Bergbau, Energie- & Wasserversorgung mit 17% im Schnitt. Erstaunlich finde ich, dass die SW Umwelttechnik diese Zahlen offenlegt.
Die Unternehmenskultur sieht also intakt aus und wird langfristig für einen Effizienzgewinn sorgen.

4. Kostenführerschaft (Opportunitätskosten)
Derzeit besitzt das Unternehmen noch einen Technologievorteil in seinen Märkten. Die Maschinen sind neu und langlebig. Der Wettbewerb hat nach eigenen Angaben noch nicht aufgeholt. Ich vermute jedoch, dass das der Wettbewerbsvorteil ist, der am schwierigsten zu verteidigen ist. In 5 bis 10 Jahren kann diese Situation schon deutlich anders aussehen. Wenn der Wettbewerb aufholt, dann muss die SW Umwelttechnik am Ball bleiben und investieren. Andererseits wird sich dieser Vorteil verflüchtigen.

Die Marktsituation der SW Umwelttechnik

Der Schritt, nach Ungarn und Rumänien zu expandieren, war genau der richtige. Hier herrschte bis einschließlich 2019 ein hervorragendes konjunkturelles Umfeld. Die Folgen der Pandemie kann ich hier leider nicht final und professionell beurteilen. Ich gehe aber für mich davon aus, dass dieses Thema irgendwann zu den Akten gelegt wird. Die meisten Nationen werden dann an ihre normale Leistungsfähigkeit anknüpfen.

Für Ungarn und Rumänien im Speziellen muss gesagt werden, dass der Bedarf vorhanden ist. Damit wird es in den nächsten 10 Jahren auch weiterhin Aufbau von Infrastruktur geben.
Ein kritischer Punkt ist hier die hohe Abhängigkeit von Fördermitteln der EU. Hier steht allerdings jetzt schon fest, dass Corona bedingt die Fördertöpfe deutlich aufgestockt werden. Dieser Punkt sollte also in den nächsten 15 Jahren eine untergeordnete Rolle spielen.

Das Management der SW Umwelttechnik

Vorstand SW UmwelttechnikDie Führung des Unternehmens obliegt Klaus Einfalt (Wirtschaftsingenieur) und János Váczi (Ökonom). An dieser Stelle möchte ich eigentlich nur auf zwei Umstände hinweisen. Erstens, beide sind seit über 15 Jahren für das Unternehmen tätig. Zweitens, Herr Einfalt ist mit 4% an dem Unternehmen beteiligt. Hier sollte also naturgemäß eine hohe Deckung zwischen Management und Aktionär sein.

Finanzanalyse

Kennzahlen SW UmwelttechnikWenn man mit den klassischen Kennzahlen beginnt und die Jahre nebeneinander legt, dann stellt man schnell fest, dass die SW Umwelttechnik vor ungefähr 6 bis 10 Jahren einen Tiefpunkt hatte (bezogen auf das Eigenkapital). Seit dem hat sie sich zwar erholt, allerdings ist die Eigenkapitalquote noch nicht da, wo ich sie mir wünschen würde.
Überhaupt sind viele Kennzahlen eher am unteren Ende dessen, was ich als ideal empfinde. Das ist sicher noch kein Grund zur Panik, allerdings bedeutet es Risiko. Vor allem die Höhe des Fremdkapitals kann dazu führen, dass das Unternehmen schneller in Schieflage geraten könnte als einem lieb ist. Dem ist entgegen zu halten, dass die Cashflows aus dem operativen Geschäft solide wachsen (im Mehr-Jahres-Vergleich). (Achtung: die Grafiken zeigen nur die Umsätze und Gewinne)

Umsatz SW UmwelttechnikGewinn SW Umwelttechnik

Wenn ich mich zurück halte und und viele Abschläge vornehme, dann sehe ich den Wert des Unternehmens im Bereich 66,50 Euro je Aktie. Mit ein bisschen mehr Realismus in meiner Schätzung ist ein langfristiger Wert von 145,00 Euro je Aktie „leider“ möglich.
Ich sage leider, da es rechnerisch bedeuten würde, dass man eine Rendite von um die 20% p.a. erwarten kann.
Ich streube mich dagegen, Werte jenseits der 12% pro Jahr aufzurufen. Wenn man sich das Zahlenwerk aber anschaut, ist das nicht unrealistisch. Achtung: Das kauft man sich zusammen mit einem „interessanten“ Risiko-Paket ein.

Der derzeitige Kurs (23.12.2020) liegt übrigens bei 42,20 Euro je Aktie.

Risiken eines Investments

Die zwei großen Punkte, die ich sehe, sind die Abhängigkeit der Marktentwicklung von Fördermitteln und die „angespannte“ Situation in der Bilanz. Die Unternehmensführung sieht das Unternehmen zwar als gesund an, ich selbst sehe das eher an der Grenze zu ungesund…
Es kann wie immer auch weitere Risiken geben, die ich hier nicht bedacht (Unkenntnis) oder besprochen (da für mich nicht relevant) habe.

Fazit

Ich habe bereits Aktien gekauft. Allerdings werde ich die Position nicht weiter ausbauen. Das Risiko, dass sich das Unternehmen nicht entwickelt, wie erhofft, ist einfach zu groß in meinen Augen.

Wichtige Hinweise

Die zur Verfügung gestellten Informationen stellen keine Aufforderung zum Kauf oder eine Beratungsleistung dar, sondern ausschließlich meine subjektive Meinung. Die Recherche, die diesem Artikel vorausgegangen ist, kann weitere nicht genannte Punkte enthalten, die für mich meinungsbildend waren bzw. unvollständig in den Augen eines Dritten sein. Weder ich noch die JFP GmbH übernehmen die Haftung für Verluste aus Wertpapiergeschäften, die ein anderer tätigt. Es obliegt jedem selbst, seine Investments zu analysieren bzw. einen Berater dafür auszuwählen.

Bei Fragen, die ins Detail gehen, würde ich mich freuen, wenn Ihr die Kommentarfunktion nutzt, damit auch andere Leser von der Diskussion profitieren.

 

 

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